MEGAPHON

Ökoprüfung für Motorräder

   

Motorradzeitung

des MC Kuhle Wampe
 
   
Home
Wer wir sind
Was wir machen
Megaphon
Termine
Kontakt
Links
all the rest
 
 
Webmaster

Design & Technik by Merlin
   

Auf dem Symposium ›Motorrad und Umwelt‹ das im letzten Jahr in Berlin stattfand, gaben sich etliche VertreterInnen aus Industrie, Politik, Interessenverbänden, Wissenschaft und Herstellern ein Stelldichein. Aus dem Geäußerten lassen sich relativ sichere Progno-sen für die Zukunft des Themas Motorrad & Umwelt ableiten.

Neben der bekannten Grünen Staatssekretärin Gila Altmann, gehörte u.a. der hannoversche EU-Parlamentarier Bernd Lange, das Umweltbundesamt, das Bayerisches Landes-amt für Umweltschutz, die Verkehrspolizei Hechingen, der TÜV Essen, Vertreter von Honda und BMW, der ADAC, VCD und der BVDM mit zu der ExpertInnen-Runde.

Vorstoß

Mitte Januar initiierte der deutschen MEP Bernd Lange, (SPD) eine Trendwende, die sich auch auf die FEMA-Politik (Federation European Motorcyclists Association) auswirken dürfte. Konkret ging es dabei um das Abgasverhalten von motorisierten Zweirädern, die Euro-Emissionsnormen zwei und drei, die 2003 und 2006 in Kraft treten sollen.
 
Dabei ist zu berücksichtigen, dass dies ausschließlich Einfluss auf die Homologation von Neufahrzeugen hätte.
 
In gewisser Weise wird dadurch dem anliegen des Verkehrsclub Deutschland (VCD) entsprochen, dem die momentanen Entwürfe für Motorräder bezüglich der Euro zwei Norm völlig unzureichend erschienen, weil die Grenzwerte noch über denen der PKW Euro zwei Norm von 1996 lägen.
 
Auch wird die Euro zwei jetzt schon von allen neuen Motorrädern erfüllt, was also auch keine Änderung in den nächsten beiden Jahren brächte. An das Festlegen der Euro 3 Grenzwerte hatte sich die EU Kommission bis September noch nicht herangetraut. Es ist abzusehen, dass diese Grenzwerte Einspritztechnik bzw. G-Kats für neue Motorräder zufolge haben könnten.

KFZ-Steuern

Die dazugehörigen KFZ Steuern für Motorräder sollen bis 2005 dem jetzigen Prinzip des PKW-Bereichs angeglichen werden, so Gila Altmann. Die Regierung habe auch eine Umweltuntersuchung (UU) für Motorräder beschlossen. Insbesondere müsste der Aus-stoß an Kohlenwasserstoffen (Ozonverursacher) drastisch reduziert werden, weil er im Vergleich zum PKW viel zu hoch ausfällt, ähnliches gelte auch für die Lärmemissionen.

Umweltsünden

Das ›Tuning‹ die Umwelteigenschaften von Motorrädern drastisch verschlechtert, hätte man sich fast denken können, Verkehrspolizeispezialist Albert Lechner aus Hechingen führte dazu noch ein paar Details genauer aus.

Auspuffanlagen

Die polizeilichen Beanstandungen an ›alten‹ Auspuffanlagen (vor 1995) waren fast ausschließlich Eigenmanipulationen ursächlich, die für die Polizei mit normalem Arbeitsauf-wand bewältigen konnte. Ab 1995 ist eine Änderung im Verhalten der Halter festzustel-len. Der Markt wird von einer unübersehbaren Anzahl von Zubehöranlagen (KBA- und EU-ABE) überschwemmt, was zu einer wesentlich höheren Anzahl von lauten Motorrä-dern (trotz der gesetzlichen Senkung der Emissionswerte) führte. Die Polizei klagt über die dadurch sehr erschwerten oder gar unmöglichen Maßnahmen der Untersuchungs- und Beweisführung.
 
Folglich gingen bei ansteigenden Delikten die Zahl der Anzeigen zurück. So gut wie alle Probleme resultieren von Anlagen, die auf nicht nachzuvollziehenden Wegen ihre EU-ABE erlangt haben. Die EU-ABE ist dabei oft in Italien ausgestellt. Es wird vermutet, dass die Hersteller dieser Anlagen gezielt vorgehen. Das Standgeräusch entspricht meist der Vorschrift, das Fahrgeräusch wird dann extrem laut. Auch an Serienmodellen, insbeson-dere aus Italien (auffällig oft beanstandete Fahrzeuge: Aprilia, Bimota, Ducati, Laverda) ist die Problematik gleich gelagert. Bei Oldtimern wird gerne der Eintrag für das Baujahr am Rahmen gefälscht, um mit Zubehörteilen ein Fahrzeug neu aufzubauen. Wen wun-dert es, das hier HalterInnen der Marken Harley Davidson und Ducati besonders auffal-len? (Die höchsten Werte lagen bei 104 dB (A), hier nimmt das eigene Gehör schon Schaden).
 
Als ›dubios‹ wird die Eintragungspraxis in den Werkstätten dieser Marken bezeichnet. Die ›Qualitätssicherung‹ der TÜV u.ä. funktioniere hier nicht mehr ausreichend, so Lech-ner.
 
Seitens der zuständigen Behörde (KBA) gibt es keine Beanstandungen gegen die nationale ABE. Jedoch können im Ausland erstellte ABEs nicht durch die Behörden reklamiert werden.
 
Aus diesen Fakten ließen sich einige Schlüsse ziehen. Wenn es nur die Polizei ist, die derzeit keine Handhabe hat, ist eine Reduzierung der momentanen Geräusch-Grenzwerte (wie sie diskutiert wird) erst mal überflüssig. Vielmehr müsst man sich über einheitliche Messmethoden und deren Vergleichbarkeit Gedenken machen. Der nächste Schritt wäre, wirkungsvolle Mittel zu entwickeln, die auf das Kaufverhalten der potentiel-len MotorradfahrerInnen Einfluss nehmen. Denn falls die Diskussion weiter in Richtung Senkung der Geräuschemissionen gehen sollte, signalisieren jetzt schon führende Her-steller wie beispielsweise Honda vor dieser Aufgabe. Michael Thiem (Honda) kapitulierte vor diesem Thema: ›Hier sind keine neuen Technologien in Sicht‹.

Die Umweltprüfung für Motorräder

Diplom Ingenieur Christoph Albus vom Bundesministerium für Verkehr (BMU) stelle potentielle Bestandteile einer gesetzlich vorgeschriebene Umweltuntersuchung (UU) für Motorräder vor, an der derzeit rege gearbeitet wird. Dieses Gesetz fällt in die Zuständig-keit des BMU.
 
Überprüft werden sollen neben Fahrzeug Ident.-Nummer relevanten Solldaten, ebenfalls die Geräuschemissionen und Abgase. Außerdem ist eine ›Sichtprüfung‹ vorgesehen. Unklar ist gegenwärtig noch die Frage nach den erforderlichen Messgeräten, den Unter-suchungsfristen der Dokumentation und Nachweisführung der Untersuchung sowie die Berechtigung zur Durchführung oder Fragen zur Schulung der durchführenden Institutio-nen. Inkrafttreten soll des Gesetzes noch in der laufenden Legislaturperiode, also bis Oktober 2002.

Nachrüstungen

Der als ›Haus-und-Hof-TÜV‹ des BMU geltende RW TÜV Essen berichtete von der bei ihnen in Auftrag gegebenen Untersuchung zum Thema ›Möglichkeiten der Nachrüstung zur Schadstoffminderung bei Motorrädern‹ die jetzt abgeschlossen scheint. (MEGAPHON berichtete in Ausgabe /2000 II/2000, S. 6f.).
 
In einer Testreihe wurden dort zehn unterschiedliche Fahrzeuge mit einem 3-Wege Kat (System HJS) nachgerüstet. Die gemessenen Werte an diesen Fahrzeugen sind sehr positiv zu bewerten. Neben dem 3-Wege Kat sind aber auch Sekundär-Luft Systeme zur Abgasnachverbrennung (SLS) oder andere Reduktionssysteme oder Kombinationen die-ser Systeme als sehr sinnvoll zu erachten. Nach Aussage des RW TÜVs Essen sei der größte Teil des Bestandes nachrüstbar. Angaben zu den damit verbundenen Kosten wurden allerdings nicht gemacht. Mit der Nachrüstung wurde auch immer ein geringer Kraftstoffverbrauch registriert.


 
 

Die Verkehrs-Lobby

ADAC

Die Vertreter der ungemein gewichtigen ADAC-Allianz (13,4 Millionen Mitglieder) machten auf dem Symposium deutlich, dass das Gros der schädlichen Emissionen hauptsäch-lich aus ›Vulkanen und Sümpfen‹ aufsteige.

BVDM

Der BVDM brachte die Forderung von Nachrüstmöglichkeiten für den aktuellen Fahrzeugbestand auf den Tisch. Motorräder müssten in ein ökologisches Gesamtverkehrs-Konzept integriert werden. Sein Vorwurf an die Fachpresse lautete, sie konzentriere sich zu wenig auf den Verkehrssektor, stattdessen sei der Rennsport-Bereich sehr ausge-prägt. Der Appell nach einem geänderten Verhalten der Verbraucher, der weg von Spit-zenleistung ginge. Eine weitere Forderung ist jene nach bezahlbaren Fahrzeugkonzep-ten, die beispielsweise mit 650 ccm Hubraum auskämen, aber eine gute, ganzheitliche Ökobilanz zu bieten hätten. Diese Vorstellung könne aber wegen einer nur rudimentär vorhandenen Schwerpunktlegung der Fachpresse kaum befördert werden.

VCD

Die Vorstellungen des VCD sind sehr konkrete. Der Auffassung des Verkehrsclubs Deutschland sollten alle Motorräder bei Ozonlage fahren dürfen. Die neue Bundesregie-rung habe bisher nicht auf eine Neufassung des Ozongesetzes hinwirken können. Der VCD macht sich für eine annähernde Gleichbehandlung von PKW und Krad innerhalb von 5-10 Jahren stark. Die momentanen Entwürfe für Motorrad-Euro zwei ab 2003 seien völlig unzureichend weil die Grenzwerte noch über PKW Euro zwei von 1996 liegen (s.o.). Positiv sei aber, dass ab 2003 der Testzyklus mit Kaltstart und ab 2006 ein zwei-stufiger Testzyklus vorgesehen ist.
 
Der VCD fordert eine steuerliche Förderung bei nachgerüsteten Altfahrzeugen und weit unter der künftigen Norm liegenden Neufahrzeugen. Die derzeitige Steuer (3,60 DM pro 25 ccm) müsse zugunsten einer stärkeren Spreizung und Diversifizierung nach ökologi-schen Gesichtspunkten verändert werden. Der Kraftstoff-Verbrauchs-Messzyklus müsse mehr an die Fahrpraxis angelehnt sein und schnellstens auf EU-Ebene vorgeschlagen werden. Der VCD fordert weiter eine Gleichbehandlung gegenüber PKWs in Sachen Ge-räuschemissionen, was einen Grenzwert von 74 dB (A) bedeuten würde.

Fazit: langsam, aber stetig nähert sich in der Motorradverkehrspolitik ein Paradigmenwechsel. Es bleibt zu hoffen, dass auch bald Vorschläge zur Umsetzung dieser Vorhaben durchsickern. Gegen neue Fahrzeuge, die mit innovativer Emissionstechnik ausgerüstet sind, dürfte wohl kaum jemand etwas einzuwenden haben. Vielleicht würde sie auch die langweilige Landschaft der Motorenkollektionen einiger Hersteller innovativ beleben. Doch ob Halterinnen und Halter älterer Fahrzeuge mit restriktiven steuerlichen Reglun-gen der Garaus gemacht werden soll, darüber gibt es noch keine Erkenntnisse.

Markus / Chris Lehnen
   
Aktuell
Ökotest
Archiv
Redaktion
Artikel
 
Megaphon